Die Lehrlinge des Drachenmeister

RavenIllusion
Es war ein kalter Frühlingsmorgen, ein Mann und eine Frau mit ihrem kleinen Kind waren unterwegs mit ihrer Kutsche, die Brücke über den Nebelfluß zum Herzogtum Doronia zu überqueren. Was sie jedoch nicht wußten war, daß dies heute für sie ein ganz besonderer Tag werden würde, doch eines war gewiß, diesen Tag würden sie so schnell nicht vergessen.
Die alte Holzbrücke über den Nebelfluß wurde zur Zeit der Sumpflandbesiedlung gebaut, sie war mehrere hundert Meter lang, so daß man von einem Ende aus das andere Ende nicht sehen konnte. Die Kutsche fuhr auf die Brücke, sie war der einzige bekannte Weg über den Fluß. Als die Kutsche die Mitte der Brücke erreicht hatte gab es plötzlich ein Grollen und mit einem riesigen Krach brach die Brücke auseinander. Die Kutsche stürzte ab und fiel in den Fluß.
Doch hier geschah das Wunder, Chalandran letzter der großen Drachenmeister war mal wieder auf der Suche nach einem der legendären Drachen, als er in der Nähe des Nebelflußes etwas am Flußufer beobachtete. Ein Rabe war wild am krächzen und zog etwas hinter sich her. Neugierig sah Chalandran nach.
Es war eine kleines Stoffbündel, so hatte es jedenfalls den Anschein, doch als Chalandran das Laken zur Seite schlug war da ein kleiner Junge der lachend in Chalandrans Augen blickte. Noch immer war der Rabe wild am krächzen, als wollte er den kleinen verteidigen. So wurde ihm dann von Chalandran der Name

RAVEN

gegeben.
Es war ein heißer Tag, die Luft flimmerte von der Hitze und die Ebene erstreckte sich noch weit dem Horizont entgegen. Chalandran der letzte der großen Drachenmeister war wieder einmal auf einer seiner zahlreichen Suchen und durchquerte gerade die menschenlose Ebene, da sah er am Horizont eine Staubwolke. Die Gegend war nicht so menschenleer, wie er dachte, die Staubwolke verschwand, was immer auch dort war, es hatte sich entfernt. Plötzlich flirrte die Luft um ihn herum noch Stärker, ein Bild erschien schemenhaft in seinem Geist, ein Kind in einem Korb, dann sah er einen großen Stein. Als das Bild sich auflöste, wußte er, wie durch eine fremde Stimme eingeflüstert, daß dieses Bild mit der Staubwolke am Horizont zu tun hatte und er beschleunigte seinen Schritt.
Nach rund zwei Stunden erreichte er eine Stelle in der Öde, an der ein umgekippter Planwagen lag, als er hineinschaute bot sich ihm ein Bild des Grauens, ein junger Mann lag dort, tot, mit einer schweren Wunde am Hals. Daneben lag eine junge Frau ebenfalls tot, doch sie schien sich selber mit einem kleinen Dolch getötet zu haben, wohl um den Schurken, die ihren Mann töteten nicht in die Hände zu fallen, in ihren Armen war ein kleines Mädchen, sie hatte ihr kurz zuvor wohl das Genick gebrochen, um ebenfalls dem Schicksal zu entgehen den Schurken in die Hände zu fallen.
Chalandran verließ den Planwagen und schaute sich um. In einiger Entfernung sah er einen großen Stein, dann hörte er ein leises Schreien, er eilte hin, hinter ihm lag ein Kind in einem Korb, die Sonne hatte das Kind gerade aus dem Schatten des Steines geholt. Chalandran hob es hoch nahm ihn auf und gab ihm den Namen Illusion. Er bestattete die Familie und zog weiter...

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